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Ivana Hoffmann ist tot

März 15, 2015

Es ist eine ganz besondere Perfidie der herrschenden Verhältnisse, dass junge Menschen für die ein Engagement zur Befreiung vom kapitalistischen Joch mehr bedeutet als schlechte Technopartys, Jutebeutel mit aufgedrucktem Davidstern und larmoyantes Geschwätz, am Ende auch bei einer stalinistischen Gruseltruppe wie der MLKP mitmarschieren, weil es ansonsten nicht viele Alternativen gibt. Es ist aus der Ferne kaum zu beurteilen ob Ivana Hoffmann aus purer Überzeugung, aus Verzweiflung oder einer Mischung aus beidem eine Alternative wählte, die an vielen, vorallem inhaltlichen Punkten keine gute war.
Mit einiger Phantasie kann man sich vorstellen welches persönliche Dilemma es bedeuten kann, wenn man 16 Jahre alt ist, proletarisch, mit einem „migrantischen Hintergrund“, links und politisch und entscheiden muss in welcher Kampagne, welcher Organisation oder welchem Verein man sich organisiert. „Antisexistische“ Dauerdiskussion im Sperrmüll-AZ, programmgemäß ohne nennenswerte Ergebnisse, oder gut organisiertes Engagement in einer marxistisch-leninistischen Kadertruppe, unter der Anleitung kampferprobter Genossinnen und Genossen?
Ivana Hoffmann, die Tochter einer Deutschen und eines Togolesen, hat sich für die türkischen Marxisten-Leninisten entschieden. Man muss das Programm dieser Leute nicht teilen, um ihre Entscheidung nachvollziehen zu können.
Sie ging nach Kurdistan, wurde von der YPG am schweren Maschinengewehr ausgebildet, hat mit der Waffe in der Hand gegen die islamischen Faschisten von ISIS gekämpft und ist bei der Verteidigung eines kurdischen Dorfes durch zwei Kugeln des Feindes getötet worden.
Jetzt verwendet die MLKP ihren Tod zum werbewirksamen Heldenmythos. Die Stalinisten werden so ihre Glaubwürdigkeit vorallem bei türkischen Jugendlichen untermauern können. Die verkommene deutsche Linke weiß die Gelegenheit ebenfalls zu nutzen und verwurstet ihren Tod zur heroischen Untermalung des eigenen pseudoaktivistischen Elends.
Eine einzige Tragödie.

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3 Kommentare

  1. Tragisch ist dieser Kommentar, der Ivana auf seine Weise instrumentalisiert, indem er sie den Händen der MLKP entreissen will, um sie für seine Zwecke – Bashing der geschwätzigen, Jutebeutel tragenden Sektierer – aneignen. Besonders lächerlich, da Ivana für die Sache der MLKP gestorben ist. Den gleichen Argumentationsstrang kann man auch bei Mitgliedern der NPD anwenden: arme, enttäuschte Proletarier, die durch Rattenfänger geködert werden. Es fehlt schließlich die Alternative: die Systemparteien sind eh alle gleich und die AZs erst!

    All diese armen Menschen wissen nicht was sie tun. Denn wer kann das schon so genau wissen, ob sie „aus purer Überzeugung, aus Verzweiflung oder einer Mischung aus beidem eine Alternative wählte, die an vielen, vorallem inhaltlichen Punkten keine gute war“?

    Die Alternative entsteht nicht indem man die Leute zu einer verlockt, sondern indem man den objektiven Bewußtseinszustand kritisiert, der die Menchen dazu treibt, für die autoritäre Lösung zu sterben.


    • „indem er sie den Händen der MLKP entreissen will“, in meinem kurzen Text steht dass ich nicht einschätzen kann ob aus Überzeugung oder Verzweiflung. Nichts mit „entreissen“. „Besonders lächerlich, da Ivana für die Sache der MLKP gestorben ist“. Wenn ich das richtig verstanden habe ist sie in Kurdistan für die Sache der Kurden gestorben. Aber du hast da vllt. genauere Informationen. „Die Alternative entsteht nicht indem man die Leute zu einer verlockt, sondern indem man den objektiven Bewußtseinszustand kritisiert, der die Menchen dazu treibt, für die autoritäre Lösung zu sterben.“. Dann geh mal weiter Bewußtseinszustände kritisieren (Frau Hoffmann hat das offensichtlich nicht gereicht), am besten im Sperrmüll-AZ, aber bitte nicht auf meinem blog. Danke für das Beispiel an lamoyantem Geschwätz. Verarschen kann ich mich selber du Vogel.


  2. […] Kritik übt am 15. März 2015 der Blog „mariasfirst“, der fragt, ob „Ivana Hoffmann aus purer Überzeugung, aus […]



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