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„Petit banania“

Februar 13, 2015

Ein Mitglied der weißen Mehrheitsgesellschaft unterhält sich mit einem Schwarzen, der ihm kurz zuvor noch unbekannt war. Warum das Thema so wichtig ist weiss Keiner, aber das Gespräch dreht sich schnell um die Hautfarbe. Der Weiße bittet um helfende Auskunft: „Schwarz, farbig, people of colour… man weiß ja heute gar nicht mehr was man sagen soll”.
Insofern man als schwarzer Mensch in Deutschland nicht das seltene Privileg hat sich von weißen, rassistischen Idioten im Alltag fernhalten zu können, führt man dieses Gespräch ziemlich regelmäßig. Wenn man z.B. Lohnarbeit verrichten muss, bei der man regelmäßigem Kundenverkehr ausgesetzt ist, mehr als einmal pro Monat. Hinter dem vorgespielt sensiblen Interesse an der politisch korrekten Benennung des äußeren Erscheinungsbildes, verbirgt sich der weiße Blick mit seinen Ressentiments. Selbstverständlich kennt der gespielt sensibel Fragende die Vokabel die er gerne offen und mit voller Inbrunst verwenden würde. „Neger… Neger“ und noch mal „Neger!“. Deswegen der fast vorwurfsvolle Ton über das was ihm versagt wird beim „man weiß ja heute gar nicht mehr was man sagen soll”. Er traut sich aber nicht, denn die vermeintlich antirassistische Mehrheitsgesellschaft könnte ihn sanktionieren.

„Neger“, Diese Bezeichnung ist herabwürdigend und auch herabwürdigend gemeint. Jeder schwarze Mensch der hierzulande aufgewachsen ist, kann auf seine eigene Geschichte angefüllt mit diversen Demütigungen im Zusammenhang mit dieser Bezeichnung zurückblicken. Deswegen gibt es gute Argumente u.A. diesen zutiefst rassistischen und aus dem kolonialen Jargon der Herrenmenschen stammenden Begriff zu sanktionieren und den Verwenderinnen und Verwendern in antirassistischer Manier auf den Nerven herumzutrampeln. Dies solange, bis sie sich an einen, dem erreichten Grad der Zivilisation entsprechenden Umgangston angepasst haben. Was man damit erreicht, bedeutet vielleicht eine Gesellschaft in der vordergründig ein menschenfreundlicheres Klima herrscht und in der schwarze Kinder erst mit 10 oder 12 Jahren anstatt schon im Kindergartenalter mitgeteilt bekommen dass ihre Hautfarbe sie zu einer Projektionsfläche für die Mehrheitsgesellschaft, zu „den Anderen“ macht. Was man damit sicherlich erreicht ist eine Gesellschaft der Mimikri, in der sich die Ottonormalrassistin und der deutsche Durchschnittsrassist gewohnheitsgemäß tarnen – z.B. mit gespielt dummen Fragen zur korrekten Hautfarbenbenennung. Ein gutes Beispiel für diese Gesellschaft der toleranten Mimikri und des gleichzeitig fortwesenden rassistischen Syndroms ist Pegida. Eine Bewegung in deren Logo ein durchgestrichenes Hakenkreuz prangt, während in den Köpfen der altbekannte rassistische Dreck rumort.

Weil ich Besseres zu tun habe als Mehrheitsdeutschen ihre Mimikri nachzuweisen und weil ich die Mühen der Ebene scheue und weil es aus militärischen Gesichtspunkten viel bequemer ist wenn Nazis hässlich sind wie Nazis und nicht aussehen wie linksradikale Punker, freue ich mich fast über „die Kameruner e.v.“. Dieser Karnevalsverein aus dem Frankfurter Gallusviertel betreibt ungenierten, antischwarzen Kolonialrassismus hässlichster Sorte. Nicht nur der Sarottimohr in ihrem Logo belegt das. „Die Kindergarde“ verkleidet sich als Afrikaner – inklusive Blackfacing, Struwwelpeterfrisur und Knochenkette – , während die Älteren eine jährliche „Negersitzung“ abhalten, bei der die üblichen Peinlichkeiten veranstaltet werden, die solche feisten Schweine (siehe Bildergalerie!) während der Karnevalszeit für witzig halten. Schön dass es so was in Zeiten von Afd und abendländischer Maskerade noch gibt! Hier braucht man nicht enttarnen und investigativ tätig werden, Sprachkritik bemühen, nächtelang Facebookprotokolle nach Belegen durchsuchen und sich anschließend den Mund fusselig sabbeln und die Lektüre von Franz Fanon bewerben. Wer nicht ad hoc einsieht dass dieses deutsche Gesindel ein rassistisches ist, dem ist nicht zu helfen und der gehört auf die andere Seite der Barrikade.

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2 Kommentare

  1. Nur eine Frage: Die Verwendung des Begriffs „Blackfacing“ im europäischen Kontext hat mich letztens etwas kritisch werden lassen.

    Es ging um den „zwaarten Piet“ und den „Sinterklaas“ in Holland, hast du sicher von gehört.

    In der heutigen Zeit müssen solche Dinge sicherlich hinterfragt werden, aber es scheint mir notwendig zu trennen von der kolonialrassistischen Vergangenheit Amerikas und der der Niederlande. „Blackface“ ist ein amerikanisches Phänomen, das rein historisch so in den ethnisch homogenen Niederlanden des 19. jhd nicht existierte.

    Wegen der ethnischen Homogenität diente der „zwaarte Piet“ nun zu seiner Entstehungszeit eben NICHT (das ist evident) dazu ein Herrschaftsverhältnis zu rechtfertigen.
    Er transportiert (auch weil er der „Angstmacher“ mit der Rute ist und der „dumme Junge“ des Sinterklaas) herrschende Kolonialrassistische Einstellungen, die allerdings im mit schwarzen Menschen unbekannten volkstümlichen Leben der Niederlande des 19. jhd kein konkretes Machtverhältnis perpetuiert haben.

    Daher kann man dieser Darstellung bei weitem nicht die Wirkmacht des „blackface“ einräumen, das muss man in der Realität auch bedenken, sonst wird man ahistorisch.

    Das heißt, wenn man (zu Recht) ein Ende dieses Brauches fordert (z.b. die Ersetzung durch eine Farbenblinde Figur) oder zumindest eine kritische Auseinandersetzung, muss man wegen der historisch geringeren Aggressivität des „zwarte piet“ auch selbst weniger hart vorgehen. Der zwaarte Piet ist vor allem ein simpler, kulturell relativ ubiquitärer Exotismus den man in seiner Art nun wirklich überall auf der Welt finden könnte.
    Das macht es nicht un-beleidigend für schwarze Menschen, das ist wichtig zu erwähnen.


  2. Ich antworte später wenn ich mehr Zeit habe. Wenns dich interessiert guck nochmal in 2-3 Tagen hier in die Kommentarspalte. Danke für deinen Beitrag.



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