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„Kunst“ radikal

April 17, 2013

SPD Bürgermeister Feldmann (für dessen Wahl übrigens von einigen IvI-Betreibern Werbung gemacht wurde) und einige andere Sozialtechniker und Sozialtechnikerinnen initiieren eine Graffiti-Aktion an der Baustelle der neuen europäischen Zentralbank – selbstverständlich mit der freundlichen Unterstützung eben dieser europäischen Zentralbank. Am Bauzaun werden Holzwände angebracht, um den Spraydosenkünstlern eine Fläche zu bieten, auf der sie sich austoben dürfen. Nach Feldmanns eigener Aussage das Ganze „um den temporären Schandfleck dieser Baustelle ein wenig zu verschönern“. Graffiti-Künstlerinnen, Künstler und/oder andere sich subversiv meinende arme Tröpfe (wie sie an der HFG-Offenbach zuhauf herangezüchtet werden) nehmen die Gelegenheit wahr, denken nach, entwerfen ein Bild, sprayen und heraus kommen hauptsächlich antikapitalistische Parolen.

Das ganze erinnert mich stark an das Occupy-Camp, welches seinen elektrischen Strom lange Zeit von der kooperativen EZB-Bank bekam und dessen Betreiberinnen und Betreiber trotz all der offenen Türen die sie einrannten meinten, einen wirkungsvollen Protest entwickeln zu können, indem sie vor der EZB-Bank campen und grillen und tanzen, oder an jenes VermummtUnd“ACAB“BrüllendDieZuvorMitDerPolizeiAbgesprocheneRouteAblaufen, das ich in der Vergangenheit leider allzu oft mitgemacht habe.

Ein einziges Spektakel.

(Die Betrachterin und der Betrachter bemerke bitte die ungewollte Ironie, die durch den über den Graffitos angebrachten Natostacheldraht vermittelt wird)

  EZB1

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3 Kommentare

  1. Dazu fällt mir ein: Wenn man Fernsehberichte über China, Kuba, Vietnam sieht, kommen immer öfter sogenannte Dissidenten vor, die immer unbeschränkter und manchmal sogar staatlich gefördert ihre agenda vortragen dürfen anstatt wie früher drangsaliert zu werden. Vom Westen lernen heißt siegen lernen, heißt es in dem Punkt für das, was vom RealSoz übrig ist: wenn „Kritiker“ integriert statt kriminalisiert werden, bedeutet das für den Herrschaftsapparat eine Stange Probleme weniger…


  2. Hallo Mariasfirst,
    Ihr Beitrag deutet auf Zusammenhänge zwischen Graffiti als „radikale“ Kunst und ihrer Verstrickung in Politik und Kapital. In dieses Bild gehören für Sie auch Akteure des IVI und die „subversiven Armen Tröpfe der HfG“. Außer der Nennung, und durchaus angemessenen Ironie und Wucht vermisse ich noch eine etwas tiefere Analyse. Kritik oder Polemik an ‚“radikaler“ Kunst‘, so sub-, hochkulturell oder wie theoretisiert auch immer ihr Gegenstand auch sein mag, sollte doch an die üblichen Reviertänze nicht nur anknüpfen?

    Die Graffiti-Künstler (Künstlernamen?), die sie zeigen, verarbeiten innerhalb der Form nicht ihr widersprüchliches Erscheinen an ebendiesem Ort, sondern inszenieren sich als Außen- oder Gegenseite. Das haben einige Street Art-Künstler geschickter (JR) oder differenzierter (Banksy) geleistet. Dies geschieht für Laien komischer Weise noch recht unauffällig, funktioniert aber effektiv als Teil des Ganzen: Kein Zaun, kein Graffiti. Oder: Ganz große Signifikanten kann man hinterrücks nutzen, um noch als Außenseiter aufzufallen usw. Die Sprüher sind vielleicht systemkritisch, sind aber an ihr Material und ihre Organisierung gebunden. Die da wären:
    – überwiegend Subjektivierende Sichtweise einer überholten Autorenrolle
    – u.a. Formen jugendkultureller, moralisierender Kürzel wie Totenköpfe und wie passend: Hochhäuser
    – der fotowirksamste Ort Frankfurs zwischen Subkultur und kapitalistischer Hochkultur.
    – die gewollte und im Vorhaben provozierte Verbreitung Netz, Presse, …
    – evtl. Anschluss für institutionelle Kooperationen, sinniger weise Banken und Politiker …

    Das Schlachtfeld wird wegen Support, Wirklichkeitsanschlüssen und dem Gefühl selbstwirksamer Lebensweise (in dem Fall vielleicht Leben in FFM mit der SPD) betreten. Bei Erfolg wiederum kann man an ganz anderer Stelle punktuell Einfluss geltend machen. Augenscheinlich kann man doch eigentlich kaum nur von Revieren oder Seilschaften reden, sondern eher von Verfahren, etwa den sozialtechnischen, die Sie erwähnten. Also die Frage nach dem Wo-mit die Heuchelei funktioniert. Das näher aufzuführen war mit Ihrem Beitrag vielleicht nicht beabsichtigt, sondern nur eine Anregung oder Interesse meinerseits.

    Ferner wundert es mich, ich denke in ihrem Sinne, das im Punkt „kritischer Kunst“ selbst an den regionalen Kaderschmieden außer subversiven Tricks und Blendungsversuchen in dieser Hinsicht auch nicht wirklich etwas nützliches bei rumkommt.

    mit freundlichen Grüßen
    Schrebers Sunrise


    • Interessant!



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