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Geheimnis und Gewalt

Februar 15, 2013

1910 geboren, ist Georg K. Glaser als Sohn ein sehr gewalttätigen Postbeamten aufgewachsen. Schon vor Beginn der Pubertät ist er von Zuhause ausgerückt und zog das Leben eines Landsreichers, der alltäglichen Prügel des Vaters vor. Er durchlief die unterschiedlichsten Erziehungsanstalten der „Weimarer Republik“ und verbrachte die 1920er Jahre meist obdachlos und vagabundierend auf der Strasse. Sein soziales Umfeld bestand über Jahre aus Kriegsversehrten, Heimatlosen, Prostituierten, anderen entlaufenen Fürsorgezöglingen und Pauperisierten.
Im Millieu proletarischer Jugendverbände – die es aus dem bedrückenden Dunkel städtischer Mietskasernen, in die freie Natur getrieben hatte – lernte er die KPD kennen. Er entwickelte sich schnell zum „Mustergenossen“ und beteiligte sich an den – teilweise sehr militanten – Kämpfen gegen die aufstrebende NSDAP. Später arbeitete er als Gerichtsreporter für die Parteipresse und schrieb einige Prosawerke, in denen er sich vor allem mit der elenden Lebensrealität des Proletariats auseinandersetzte. 1933, nach der Machtergreifung der Nazis, ging er als Mitglied der illegalisierten KPD in den Untergrund. 1935, nachdem er von der Gestapo ergriffen und gefoltert worden war, flüchtete er – wie so viele Antifaschistinnen und Antifaschisten in dieser Zeit – mit falschen Papieren über das Saarland nach Frankreich und wechselte dort die Staatsbürgerschaft. Nach dem Beginn des deutschen Polenfeldzuges 1939, wurde er zum Militär eingezogen und erlebte 1940 den Einmarsch der Deutschen in Frankreich, als französischer Soldat kämpfend, mit der Waffe in der Hand. Nach dem Evakuations-Desaster in Dünkirchen, geriet er unter falschem Namen in Kriegsgefangenschaft und wurde von der Naziwehrmacht nach Deutschland verschleppt. Er arbeitete dort zwei Jahre lang als sog. „Fremdarbeiter“ in der deutschen Kriegswirtschaft, flüchtete 1943, wurde von der Gestapo erneut ergriffen und erlebte das Kriegsende als KZ-Insasse.

Georg K. Glaser hat schon 1953 über diese Zeit ein Buch geschrieben. „Geheimnis und Gewalt“. Diese 556 Seiten zählen zu dem Besten was die kommunistische Literatur über die revolutionären Jahre nach dem ersten Weltkrieg, den Kampf gegen die NSDAP, die illegale Parteiarbeit, über den antifaschistischen Widerstand in Deutschland und den zweiten Weltkrieg zu bieten hat! Mehr noch: Der Autor hat einen persönlichen Bericht über den allmächtigen deutschen Ungeist, über das Totalversagen der KPD in dessen Angesicht, über die Anfechtungen und Selbstzweifel eines „freien Geistes“ in der formierten Gesellschaft, über die Sehnsüchte und lähmenden Ängste der Verhungernden, über die massenhafte Körperfolter und ihre psychischen Folgen und über die mit all dem einhergehenden Möglichkeiten und vor allem Unmöglichkeiten einer revolutionären Bewegung in Deutschland abgeliefert. Mit seltener Wortgewalt und in eindrücklichsten Bildern hat er akribisch das gesellschaftliche Szenario ganz unten und die seelische Trümmerlandschaft nachgezeichnet, in der eine Bewegung wie die NSDAP omnipotent werden konnte und in dem die „bestorganisierte Arbeiterklasse der Welt“ (Lenin), der aufziehenden deutschen Katastrophe (fast zwangsläufig) nichts entgegenzusetzen vermochte.

Georg K. Glasers „Geheimnis und Gewalt“ ist eines der eindrücklichsten, konsequentesten und intelligentesten Bücher die ich je gelesen habe und in einer vernünftig organisierten Gesellschaft, in der den Menschen an einer historisch-materialistischen Aufarbeitung des Gewesenen und gleichzeitig an Sprachkunst gelegen ist, würde der Mann mit allen zur Verfügung stehenden Preisen überhäuft, dessen bin ich mir sicher. Seine Charakterbeschreibungen und Milieustudien sind ein unverzichtbares Lehrstück und ein bitter notwendiges Exempel für jeden Menschen, der ernsthaft danach trachtet, die hiesigen Verhältnisse umzuschmeißen.

Lest Georg K. Glasers „Geheimnis und Gewalt“!

(Wer mich persönlich kennt und mir verspricht es unversehrt und in absehbarer Zeit zurück zu geben, kann sich dieses Buch gerne bei mir ausleihen. Für alle Anderen: http://www.Amazon.de. Ich empfehle die letzte Auflage des Verlags Büchergilde Gutenberg)

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