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Tragodia Antifa die Zweite

August 28, 2012

Vor einem knappen Jahr habe ich mal einen Text fabriziert, in dem ich ein halböffentliches Antifa-Treffen beschrieb, weil ich es lustig fand. Das war einfach eine Fingerübung ohne jeden konkreten Nutzen. Ich hatte allerdings Bedenken diesen Text zu veröffentlichen, weil ich mir relativ sicher war einen (unsinnigen und nicht begründbaren-) Vorwurf des Geheimnisverrats aus Szenekreisen zu bekommen. Ich habe dann eine Umfrage in meinem Freundeskreis gestartet und nachdem ich mehrfach gewarnt wurde, den Text nach fünf Stunden wieder aus dem Net genommen. Fünf Stunden war der Text online. Verdammte fünf Stunden! Von morgens um Sechs, bis vormittags um Elf. Wer glaubt den Text hätte in dieser kurzen Zeitspanne niemand gelesen irrt. Ich bekam zwei Anrufe von besorgten Mitszenegängern und wie ich später schmerzlich feststellen musste hatten die Granden der Antifa den Text ebenfalls wahrgenommen. Damit hatte ich die Scheisse am Bein und meine Selbstzensur machte die Sache nur noch schlimmer.  Das Gerücht des Szeneverrats war in der Welt und niemand konnte es auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüfen.

Hier und da dummes Gesabbel, unfreundliche Blicke, Irgendwelche Irrsinnigen versuchten mir sogar Hausverbot in linken Projekten zu erteilen – was nicht funktionierte, weil ich den Text auf Verlangen an die Entscheiderinnen und Entscheider versendet habe und die leicht feststellen konnten dass die Vorwürfe gegen mich haltlos waren. Der Spaß war jedoch noch nicht zu Ende. Gewaltandrohungen und Einschüchterungsversuche. Einige Unsinnsmenschen fühlten sich offensichtlich dazu aufgerufen der Gerüchteküche zu folgen und das Urteil am gebrandmarkten antideutschen Hetzer zu vollstrecken. Heute Nacht hat mir dann ein Kerl im Szenetreff auf die Nase gehauen und deswegen fühle ich mich jetzt dazu genötigt den Text doch noch einmal zu veröffentlichen. Ungekürzt und unzensiert, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann wie schlimm mein „Szeneverrat“ den nun wirklich ist.

Im Übrigen sei hier denjenigen die weiterhin damit liebäugeln mir Gewalt anzutun mitgeteilt: Gewalt ist nicht mein Thema, bzw. die spare ich mir für wichtige Auseinandersetzungen, bei denen es auch etwas zu gewinnen gibt. Ich lasse mich auf keine militärische Eskalation ein. Im Zweifelsfall und wenn es brenzlig wird habe ich die schnelleren Turnschuhe und danach wenig Skrupel zu petzen – bei wem auch immer! Ich bin doch nicht meschugge und balge mich mit irgendwelchen semiprofessionellen Antifaprüglern in der Gosse, um Texte die sie nicht gelesen und wenn gelesen, dann nicht verstanden haben.

Wenn ihr euch kloppen wollt – ihr Kretins – dann fahrt in den Taunus und wartet an der nächst besten Tankstelle auf Nazis. Da könnt ihr eure Gewaltgeilheit im Nachhinein wenigstens politisch verbrämen.

Wir sehen uns auf dem nächsten Plenum.

Hier der Text der eure kindlichen Seelen in Wallung und euer Blut immer noch zum kochen bringt:

Tragodia Antifa

Prolog: Die politische Arbeit der antifaschistischen Szene Frankfurts war in den letzten Jahren offensichtlich so erfolgreich, das von organisierten Naziaktivitäten für lange Zeit überhaupt nicht die Rede sein konnte. In einer multikulturellen Großstadt mit 850.000 Einwohnerinnen, hat die dörfliche Idiotie, der Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Antiziganismus rotbackiger „nationaler Sozialisten“ keine Chance sich zu einer handlungsfähigen Einheit zu formieren… so glaubte man. Nun, in der zweiten Hälfte des Jahres 2011, hat eine gemeingefährliche Ansammlung von „Autonomen Nationalisten“ diese Gewissheit erschüttert. Ein seit kurzem aktiver Personenkreis hat mit „AntiAntifa-Arbeit“, rassistischen Übergriffen und verschiedenen Attacken auf linksradikale „Freiräume“ die Ruhe erschüttert und somit unübersehbar deutlich gemacht: Nazis gibt es auch in Frankfurt am Main!
Die örtliche UmsGanze-Filiale reagierte sofort und die allzeit aktionsbereite Szene wurde über Verteiler, Facebook und MundzuMund-Propaganda in einen Szenetreff zitiert, um die brisante Situation gemeinsam besprechen zu können. Circa 100 Personen aus allen Teilen der irgendwie linksradikalen lokalen Szene sind dem Aufruf gefolgt. Aus einem nicht näher zu erläuterndem themenfremdem Anlass war ich auch anwesend. Im folgenden gebe ich meine gesammelten Eindrücke des geführten Diskurses wieder1.

Episode 1: Im Bereich des Podiums saßen die üblichen Verdächtigen in einem halbierten Stuhlkreis. Um nicht in den Geruch des Geheimnisverrats zu geraten, verteile ich Synonyme: Pfarrer, Schwiegermuttersliebling, Schwiegermutterslieblings unsinnige Freundin, Weinkönigin Nr. 2, Nachwuchsfunktionär, Szeneglucke XY. Im Publikum saß der bei solchen Veranstaltungen obligatorische, linksradikale, feministische, radikaldemokratische, emanzipierte, autonome, gutbildungsbürgernde, jonglierende, anarchistische, akzeptierende und recherchierende Publikumshaufen aus Antifas, Altantifas, Autonomen, Altautonomen, Punkern, Altpunkern, Antiimps, Wursthaarträgerinnen und Wursthaarträgern, Pädagogen und Waschbären2.
Der Pfarrer eröffnete die Runde: „Schön das so viele gekommen sind. Ihr wisst bestimmt alle um was es geht. Wir wollen heute über die Nazivorfälle der letzten Monate sprechen und gemeinsam beratschlagen was wir dagegen unternehmen können. Zuerst werden wir eine chronologische Aufzählung der Vorfälle präsentieren, die wir mitbekommen haben. Wir sind auf einen konfrontativen Vortrag relativ schlecht vorbereitet und würden euch darum bitten, unsere Ausführungen einfach per Wortbeitrag zu ergänzen, falls wir Details oder einzelne Vorfälle vergessen haben. Bitte seit möglichst leise, die Mikroanlage ist kaputt“.
Das Publikum im Kirchenschiff schwieg auf diese Ansage hin andächtig. Der Pfarrer rückte seine Brille gerade, strich sich über den Dreitagebart und begann mit sonorer Stimme mit seiner Aufzählung: „Am 21.06. haben Neonazis Mobi-Aufkleber für eine Demo in Bergen Enkheim geklebt. Am 23.06. wurden ebenfalls in Bergen Enkheim Plakate entdeckt die zu derselben Demonstration aufriefen. Am 30.07. wurde ein Hakenkreuz an die AU (linkes Wohnprojekt, Anm. neo) gesprüht. Des Weiteren wurden in Seckbach mehrere Schablonen-Sprühereien mit den Wortlaut „Anti-Antifa organisieren“ entdeckt. Am 13.07. wurde eine farbige Frau in Bornheim mit einem Messer bedroht und rassistisch beleidigt. Bisher wissen wir noch nicht genau ob dieser Vorfall mit den anderen Naziaktivitäten in Zusammenhang steht. Am 25.07. wurde ich als Linksradikaler „geoutet“. Mehrere Steckbriefe mit meinem Gesicht und meiner Adresse tauchten in der Nachbarschaft auf. Daraufhin wurde die Umgebung meines Wohnorts mit Aufklebern und Anti-Antifa Sprühereien versehen. Mitglieder eines linken Jugendverbandes, wurden vor kurzem bei einer Plakataktion im Nordend mit einem Teleskopschlagstock bedroht. Soweit unsere Informationen über die letzten Naziaktivitäten in FFM. Wir geben jetzt ein Photo herum, das zwei Kader aus dem Kreis der Autonomen Nationalisten Rhein Main zeigt. Max Reisch und Meike Schreiner. Die beiden sind öfters im Park beim Odeon anzutreffen… habt ihr vllt. Ergänzungen zu unserer Liste?“.
Ein kurzes Schweigen breitete sich aus. Dann leises Tuscheln. Bedeutungsschwangere Blicke wurden ausgetauscht und mehrere Finger reckten sich zur Wortmeldung in die Höhe.
Zuerst der Autonome: „Meines Erachtens nach wurden am Morgen des 05.09. auf dem Gelände der FH ebenfalls Plakate geklebt. Ein Aufruf zur Antikriegsdemo in Dortmund“.
Daraufhin Schwiegermutterslieblings unsinnige Freundin: „Ja das waren Restbestände, (die beworbene Demo fand zwei Tage zuvor statt. Anm. neo) die bis dahin noch nicht verklebt wurden“.
Eine weitere Wortmeldung von einer Feministin: „Während des Frankfurter Slutwalks, wurden wir vom Straßenrand aus von dem bekannten Nazi Sven Delf beschimpft. Wisst ihr etwas über dessen Verbindungen zu den autonomen Nationalisten?“. Leicht schnippisch und kurz angebunden antwortet die Weinkönigin Nr. 2: „Nein, das ist eine ganz andere Problematik, die mit dem heute besprochenen Thema nichts zu tun hat“. Mit der Antwort unzufrieden die Feministin: „Er hat uns eindeutig mit Nazisprüchen beschimpft und scheint auch relativ gefährlich zu sein“. Weinkönigin: „Ja, das stimmt. Mit ihm haben schon einige von uns Erfahrungen gemacht, aber der Junge ist einfach nur kaputt und schizophren und hat keinerlei Verbindungen zu den ANs“. Thema beendet. Nächste Wortmeldung. Ein gymnasialer Nachwuchsantifa hatte inzwischen einen der beiden Nazis auf dem herumgereichten Bild wieder erkannt: „Ich glaube das ich Max Reisch schon einmal im U60 (lokaler Technoclub Anm. neo) gesehen habe. Ich glaube ich habe ihm sogar einmal gegenüber gesessen. Also passt lieber auf wenn ihr ins U geht“. Wieder Flüstern im Publikum, in der letzten Reihe fiel eine Bierflasche um. Schwiegermutterslieblings unsinnige Freundin übernahm erneut die Antwort: „Ja, wir gehen auch davon aus das die Nazis eine Abendgestaltung haben. In welchen Kneipen sie verkehren ist uns aber bisher nicht bekannt. Es wäre gut wenn ihr die Augen offen haltet“. Ein Altautonomer in der Stuhlreihe vor mir flüsterte seiner Bekannten ins Ohr: „Wir werden uns am Donnerstag mal in Bornheim umschauen“. Sie nickte.

Episode 2: In diesem Moment habe ich für einen Augenblick mit einer kurzen Wortmeldung geliebäugelt. Ich hatte zwei Monaten zuvor ein unangenehmes Erlebnis mit ein paar offensichtlichen Nazis. Ein Gruppe von sechs jungen Männern hat in einer Kneipe „Sieg-Heil“ gebrüllt und mir auf meine vehemente Unmutsbekundung hin Gewalt angedroht. Diese SiegHeil-Schreihälse waren aber offensichtlich alle migrantischer, bzw. deutsch-russischer und arabischer Herkunft. Ich befürchtete dass dieser Umstand das Podiumspersonal und das Publikum überfordert hätte, ich am Ende gar als Lügner dastehe. Ich habe mir eine Wortmeldung verkniffen und weiter der Diskussion gelauscht.

Jetzt übernahm der Nachwuchsfunktionär die Moderation: „Vielleicht können wir noch etwas zu den bisherigen antifaschistischen Gegenaktivitäten sagen, um dann nachher mit euch weitere Schritte planen zu können“. Zustimmung im Zuschauerraum. „Wie ihr bestimmt schon aus der Zeitung wisst, hat einer der Nazis nach einem Outing seinen Job in der Ausländerbehörde verloren. Weiteren drei Personen aus dem Umfeld der autonomen Nationalisten Rhein Main wurde die Wohnung gekündigt, nachdem Antifas die Vermieter über die politischen Aktivitäten ihrer Mieter informiert haben…“. Ein Wursthaarträger in schwarzem Szenedress unterbrach die interessanten Ausführungen und erkundigte sich nach der Rolle der Staatsmacht in der Frankfurter Naziproblematik: „Wie verhalten sich den die Bullen, gab es von denen schon konkrete Schritte?“. Schwiegermutterslieblings unsinnige Freundin sprang ein: „Der Staatsschutz hat diese Leute auf jedem Fall auf dem Schirm. Es gab eine Razzia bei zwei Mitgliedern der autonomen Nationalisten. Beschlagnahmt wurde Propagandamaterial. Vor der letzten Nazidemo wurden einige von denen in einer Wohnung festgenommen, dabei wurden Knüppel gefunden. Den Anlass für die Razzien kennen wir nicht“. Ein Raunen ging durch den Saal. Man war wohl verwundert das die Schergen in grün nicht nur gegen Linksradikale vorgehen.
Ein missmutig dreinblickender Altautonomer wollte einer von ihm offensichtlich befürchteten Entspannung im Publikum entgegenwirken und empörte sich: „Ich finde die Nazis werden in eurem Vortrag verharmlost. Wir haben hier in Frankfurt eine neue Qualität der Nazibedrohung erreicht. So wie ihr hier sprecht, kommt es einem vor als wäre das Ganze keine Bedrohung. Immerhin sind das organisierte Nationalsozialisten…“. Der Pfarrer, seines Zeichens Antifa-Großzeremonienmeister, ließ sich eine solch infame Unterstellung nicht bieten und konterte prompt: „Deinen Vorwurf kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, schließlich haben wir die Veranstaltung extra organisiert um auf die neue Nazibedrohung hinzuweisen. Kein Wort von Entwarnung“. Wieder fiel eine Bierflasche um, diesmal vorne in der ersten Reihe. Die ersten begannen aus Langeweile das in diesen Räumen obligatorische Rauchverbot zu ignorieren. Ich war erleichtert und tat es ihnen gleich.
Eine Wortmeldung hinter mir: „Habt ihr den Informationen wie viele Nazis das sind und ob die sich mit anderen Gruppen vernetzen. Was haben die für eine Strategie?“. Diesmal antwortete die Weinkönigin Nr. 2: „Von der Personenanzahl dürften das acht bis zehn Leute sein. Vernetzt sind die auf jedem Fall mit den Nazis aus Wetzlar. Die besuchen sich auch gegenseitig. Mit der örtlichen NPD haben die nicht viel zu tun. Eine richtige Strategie ist eigentlich überhaupt nicht zu erkennen. Die machen sich offensichtlich überhaupt keinen Kopf darum wie sie neue Mitglieder werben könnten. Meistens sitzen die im Park herum und pöbeln Leute an, die sie für Linke halten. Die haben in ihrem Haufen aktuell einen Drive, das sie viele Aufkleber kleben und diese Sprühereien machen. Wie viele bei diesen Aktionen dabei sind, ist schwer zu sagen. Das könnten auch nur zwei sein, die mit dem Auto herumfahren und diese Aktionen durchziehen. Vielleicht ist das bei denen auch eine Mutprobe… Aufkleber an linke Häuser zu kleben und so“.
Während dem Palaver baute jemand im Hintergrund eine Leinwand und einen Projektor auf. Wahrscheinlich um Bilder von Nazischmierereien zu zeigen. Da ich meine Brille zuhause vergessen hatte, konnte ich nur verschwommen die Front eines bekannten linken Wohnprojektes erkennen.

Episode 3: Der Pfarrer erinnerte noch einmal an den Anlass des Treffens: „Wir wollten uns eigentlich heute hier treffen, um das Vorgehen zu koordinieren und um Ideen zu sammeln. Ich denke da zum Beispiel an eine Pressemitteilung an die Frankfurter Rundschau, damit auch die Leute die mit Antifaarbeit nichts zu tun haben, mitbekommen was hier passiert. Es geht dabei auch darum das sich nicht nur die üblichen Verdächtigen um die Nazis kümmern, sondern das ihr in euren Projekten, Wohngemeinschaften und Häusern gemeinsam besprecht was zu tun ist“. Die Szenglucke vom Podium, die bisher vernünftigerweise geschwiegen hatte, ergänzte die Ausführungen ihres Vorredners: „Es ist einfach wichtig das wir mit unserem üblichen Gehabe aufhören und nicht mehr nur noch über wer-hat-das-gemacht-und-wer-ist-von-welcher-Fraktion reden, sondern das WIR GEMEINSAM zusammenarbeiten und als GEMEINSAME Szene auftreten“. Allseits zustimmendes Nicken. Eine Frau aus dem Publikum rechts neben mir, hatte trotzdem eine Gegenrede parat: „Ich finde die Idee mit der Pressemitteilung völlig falsch. Wieso sollen wir für diese Leute die Pressearbeit machen? Egal wie über die berichtet wird, das wäre doch die reinste Werbung. Die haben doch überhaupt nichts drauf und ein Artikel in der FR würde diese Typen doch nur aufwerten. Die würden sich bestimmt freuen wenn sie sehen könnten, dass sich ein ganzer Saal von Leuten Gedanken über sie macht“. Nazis ignorieren? Das ging eindeutig zu weit! Der Pfarrer erhob sofort die Stimme, um die falschen Ansichten zu berichtigen: „Das würde der üblichen Antifa-Vorgehensweise wiedersprechen! Wir würden dann genau das machen, was wir in ostdeutschen Nazidörfern immer kritisieren. Das Naziproblem unter den Teppich kehren, um den Ruf des Ortes nicht zu beschädigen… das geht gar nicht!“. Eine Frau aus altautonomen Kreisen wusste diese althergebrachten Antifaweisheiten noch von linksradikaler Seite her zu kritisieren: „Ich finde es beschämend, das wir hier nur darüber diskutieren was die Staatsmacht tut und ob wir die FR einschalten sollen. Wir sollten uns vor allem darauf konzentrieren wie wir das Problem selber lösen können“. Dieser verschämte Hinweis auf die grundsätzliche Möglichkeit von Militanz, verlangte nach einer sozialpädagogischen Korrektur. Eine engagiert sprechende Frau aus der ersten Reihe: „Als wir einmal das Wohnhaus eines Nazis besichtigt haben, wurden wir sofort von Nachbarn angesprochen. Die haben uns gesagt das sie schon lange glauben das da einige Nazis wohnen. Die waren richtig verängstigt. Ich finde es sollte uns darum gehen vor allem in der Nachbarschaft zu arbeiten. Wir müssen aufklären und den Leuten die Angst nehmen. Wir könnten zum Beispiel die Telefonnummer des Naziradars verteilen. Es gibt da doch so Aufkleber“.

Exodus: Nachdem ein Zwischenruf kollektiv ignoriert wurde, der besagte dass jedes Wochenende halb Sachsenhausen von Nazis und ähnlich unangenehmem Gesocks überflutet werden würde und der anschließenden Frage warum sich eigentlich niemand darum Gedanken machen würde, waren wir endgültig in den besinnungsfernen Tiefen der offensichtlich einzig ersehnten praktischen und konkreten Planung irgendeiner tradierten Handlung im Namen des nicht totzukriegenden linksradikalen Aktionismus angekommen. In einem Anflug von Sarkasmus überlegte ich mir noch, ob ich mich melden sollte, um eine Technoparade vorzuschlagen, die mit möglichst vielen UmsGanze-Fahnen bestückt durch den Stadtteil ziehen könnte, in dem die meisten Naziaufkleber gesichtet wurden. Leider kam mir jemand zuvor und machte genau diesen Vorschlag. Allerdings meinte er das ernst. Mich überkam endgültig die Fremdscham und ich bin nachhause gegangen. Deswegen endet mein Bericht an dieser Stelle, ohne nennenswerte Pointe und ich bleibe die beiden üblicherweise folgenden Teile der klassischen griechischen Tragodia, Parados und Stasimon, schuldig.

  1. Um meine Motivation diesen (zugegebenermaßen langweiligen) Text zu veröffentlichen zu verstehen, empfehle ich unbedingt die Lektüre dieses Flugblattes.
  2. Auch die Namen der Nazis sind erfunden. Ich habe sie einfach vergessen. Ebenso die konkreten Daten der Vorkommnisse. Ob diese Nazis sich jetzt „autonome Nationalisten Rhein/Main“ nennen, oder „freie Kameradschaft Frankfurt“, weiß ich auch nicht mehr. Der ganze Text ist aus dem Gedächtnis entstanden. Bestimmt fehlen einzelne Aussagen, eventuell habe ich einzelne Sätze den falschen Personen zugeordnet.
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2 Kommentare

  1. Herrlich, wie formgleich das auf meiner Scholle abläuft. Sogar die Rollenverteilung kann 1:1 übernommen werden. Den Posten des Antifa-Großzeremonienmeisters teilt man sich; ebenfalls gibt es den, der das Charisma eines protestantischen Pfaffen ausstrahlt und dann noch den Anpacker, dessen Lösung stets zu sein scheint, die immergleichen Transparente aus dem Keller zu holen und flugs eine ‚Sponti‘ zu organisieren, um die ganze Stadt mit dem immergleichen Techno zu nerven.
    An dieser innerlinken Selbstzerfleischung sieht man auch sehr schön, daß ebenso Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ passt – auch wenn es in der Antifa-Variante ungleich mehr Rollen/Protagonisten gibt.
    Werden in FFM auch die Akkus aus allen Handys genommen und Szenefremde als Verfassungsschützer beargwöhnt?


  2. Die AkkuausdemHandynehmenAberglaubenScheisse hat man in FFM zum Teil überwunden. Fremde als Verfassungsschützer zu beargwöhnen ist hier aber immer noch gute Sitte. Gerne werden auch Kritiker als Spitzel oder Sexisten gebrandmarkt, wenn man sie mit der Instellungbringung handelsüblicher Ressentiments nicht zum Schweigen bringen kann. Funktioniert auch dies nicht: Gewalt.



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