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A night at the IvI

Mai 24, 2012

Das IvI wird nun wahrscheinlich in einigen Tagen tatsächlich geräumt. Ein gute Gelegenheit ein „Abschieds“-Video das ich schon vor einigen Monaten gedreht habe zu veröffentlichen. Entschuldigt bitte die miese Bildqualität, ich habe es bisher noch nicht geschafft dieses Problem zu beheben. Der Schärfegrad verschlechtert sich offensichtlich bei jeder Konvertierung und mir ist völlig unklar warum das so ist. Die Bilder wahren ursprünglich äußerst scharf und es schmerzt mich bitter diese Qualitätsminderung mit der Veröffentlichung hinnehmen zu müssen.

Entgegen einiger meiner pessimistischen politischen Einschätzungen und der permanenten ideologischen Bergab-Entwicklung dieses Hauses, habe ich in den letzten Jahren einen bedeutenden Teil der Freizeit an diesem Ort verbracht. Begreift dieses Video also als eine ganz persönliche Hommage an einen belebten Spielplatz, den ich sicherlich sehr vermissen werde, an meine vom Lehrer nur schwer einsehbare Raucherecke auf dem Schulhof der linken Szene. Begreift dieses Video bitte nicht als ein politisches Statement, als eine Solidaritätserklärung die sich – jetzt wo es für die Betreiberinnen, Betreiber und Konsorten wie mich ans Eingemachte geht – unisono mit jedem Blödsinn einverstanden erklärt der im Haus stattfand und immer noch stattfindet.

Der politisch-praktische Nutzen dieses Hauses bestand immer in der prinzipiellen Möglichkeit problemlos Veranstaltungen zu organisieren, die in anderen linken Häusern in Frankfurt niemals, oder nur unter größten Anstrengungen zu realisieren gewesen wären. Weil sich dieses „einzige wirklich antideutsch besetzte Haus der Republik“, allzeit vor allem in Abgrenzung zu den hermetisch abgeriegelten Szene-Verhältnissen in anderen Lokalitäten konstituiert und konstituierte, steckt der Wurm quasi im ideologischen Fundament. Das IvI war und ist ein offenes Haus. Wer das Palituch daheim lässt und wer es schafft sich Sexismus, Rassismus und die übelste antiisraelische Hetze während seines Aufenthalts im Kettenhofweg 130 zu verkneifen darf rein, mitfeiern und mitorganisieren. Diese vernünftigen Verhaltensregeln, die vor Jahren als das IvI besetzt wurde, vor allem gegen die deutsche Linke mühselig zum hausinternen Dogma durchdiskutiert wurden, machten das IvI in der Szeneöffentlichkeit zum „antideutschen Haus“. Die Antiimps und allergrößten Vollidioten blieben und bleiben draußen. Diese Dogmen waren jedoch offensichtlich nicht geeignet, Diejenigen ebenfalls längerfristig fernzuhalten, die – fernab von merheitsgesellschaftskompatiblen Chauvisprüchen und plumpem Judenhass – ansonsten tief im Boden deutsch-kapitalistischer Realität innerhalb der linken Bewegung verwurzelt geblieben sind.

Ich weiß nicht ob es von Anfang an so war. Ich weiß nur das es für mich in den letzten zwei Jahren so unerträglich geworden ist, das ich meine letzten Plenums-Besuche vor Monaten, nur noch unter größter Selbstdisziplin durchstehen konnte. Ich weiß das die schleichende Dominanz linker Szeneorganisatorinnen, universitärer Schwätzer und Wichtigtuer und die Penetranz von irgendwelchen Kryptopolitikerinnen, die jeden vernünftig gebliebenen Menschen mit auswendig gelernten Standardformeln und Diskussionsmanövern bis zur Weißglut entnerven und so jede angemessene Diskussion über eine Herangehensweise an „die Gesamtscheisse“ letztlich verhindern, nicht nur mich  – Schritt für Schritt und Genosse um Genossin – vom Plenum vergrault hat.

Vielleicht (liebe im Hausverteidigungswahn befindlichen Herrschaften, die beabsichtigen den folgenden Satz in ihren Kreisen als vermeintlichen Beleg für meinen Status als Fahnenflüchtling zu verwenden: Ich schreibe VIELLEICHT!) ist es ganz gut das es mit dem IvI zu Ende geht. Die realexistierende Szene hätte nicht mehr lange gebraucht und die ernsthafte, um Abschaffung dieser Verhältnisse bemühte Restkritik, die sich noch im Haus sporadisch artikuliert endgültig eliminiert. Vielleicht (…VIELLEICHT!) stellt es sich für einige letztlich auch als ein persönliches Glück heraus, gewaltsam von der Theke gezerrt zu werden an der sie mit den immergleichen Leuten in den letzten Jahren versumpft sind (ich persönlich kenne das z.B. von Umzügen, die mich immer wieder gezwungen haben mich neu anzupassen, neue Leute kennen zu lernen, neue Möglichkeiten zu entdecken und mich somit weiterzuentwickeln).

Mit Menschen die ihr Obdach verlieren bin ich im Übrigen prinzipiell solidarisch und ich werde mich auch an den Verteidigungsmaßnahmen die aktuell ausgebrütet werden beteiligen, insofern mir die zu erwartenden juristischen Konsequenzen als vertretbar erscheinen. Ich verteidige das Haus auch wegen dem Verlust meiner/unserer Ressourcen, unserer Kampfmittel. Ob die Blockupy und M31-Organisierer in Zukunft einen mietfreien Raum haben, in dem sie ihre Propagandashow veranstalten können, oder ob die grüne Hochschulgruppe einen Ort hat an dem sie ungestört ihre alternative Drogenberatung für Hochleistungsstudentinnen abhalten kann, ist mir dagegen herzlich egal. Die zukünftigen Politikercharaktermasken vom ASTA können ihre Softskills im Kungeln, Paragraphenreiten und Bescheissen der Massen auch woanders trainieren (nämlich an der Universität, wo sie ja nur allzu gerne den ganzen Tag vor dem „Kommunikationszentrum“ hockend ihre Zeit verbringen) und solange ich keine politischen Diskussionen anzettle, kann ich mein billiges Feierabendbier auch am Kiosk trinken, oder zuhause.

Das nächste Hausprojekt an dessen Besetzung und Organisation ich mich als politischer Mensch und Communist (und nicht als ausschließlicher Partygast, wie in den letzten Monaten im IvI) beteiligen werde kommt bestimmt. Die vernünftigen Leute die ich im IvI kennengelernt habe sind ja nicht einfach verschwunden und aus der Welt, nur weil uns Franconofourt das Haus unter dem Arsch wegreisst. Im Kreise der Leute mit denen ich diskutiere, sehe ich keine Resignation, keine Demoralisierung und kein wortloses Verschmelzen in einer verteidigungsbereiten Masse, sondern realistische Zuversicht darüber das sich neue Gelegenheiten ergeben werden, um zukünftig erneut Breschen in die Realität zu schlagen, in denen man sich temporär, angstfrei und hoffentlich noch effektiver organisieren kann, als es im IvI der letzten Jahre möglich war.

In diesem Sinne: Do it smart, dont let the system get you down. Be prepared Comrades!

Noch ein paar Sätze zu dem Video: Seid gnädig. Es ist mein drittes. Die Ästhetik und Bildsprache ist – obwohl ich mir sehr lange Gedanken gemacht habe – äußerst herkömmlich. Es ist kein politisches Statement, sondern eine persönliche Darstellung dessen was ich im IvI erlebt habe: Ambivalenz (ohoho, du böser Allgemeinplatz). Ein Chaos das mir ermöglicht „mein Ding“ durchzuziehen und gleichzeitig durch eben diese Unverbindlichkeit, eine revolutionäre Organisation über die üblichen Gruppenklüngel hinaus verunmöglicht und jeder anticommunistischen Prinzipienlosigkeit Tür und Tor öffnet. Ein Dreck, ein Muff, ein Siff, in dem mir ein Projektor zur Verfügung steht, den ich mir als Prekarisierter niemals leisten könnte, in dem ich Veranstaltungen organisieren kann, die mir z.B. im Exzess niemals genehmigt worden wären, oder für die ich an anderen Orten wahrscheinlich hätte Miete zahlen müssen. Ein Raum in dem ich aus politischen und persönlichen Gründen permanent schief angeguckt werde und trotzdem keine Angst vor Rassismus, Bullenterror und ablehnenden Türstehern haben muss.

Für diejenigen die mit der Bildsprache nichts anfangen können: Eben diese Ambivalenz habe ich versucht durch die Abfolge der Bilder und Videoschnipsel zu symbolisieren. Die Musik mit der ich das Video unterlegt habe, folgt dem gleichen Rythmus. Erst Leere, Kälte und Dreck, dann der Schwenk zu belebteren Szenen. Menschen die kochen, feiern, lesen und miteinander trinken. Leider musste ich dieses letzte Drittel des Videos auf YouTube unkenntlich machen und dadurch ist der Eindruck stark verfälscht.

Wer mich kennt und mag und wer die Originalversion in einer besseren Auflösung haben möchte, kann sich bei mir melden. Ich bin der Technik des CD-Brennens mächtig. Einige von euch, diejenigen die ich persönlich kenne und bei denen ich mir sicher sein konnte das sie nicht dagegen haben gefilmt oder photografiert zu werden, können sich in dem für die Öffentlichkeit unkenntlich gemachten Part wieder finden. Es sind gesammelte Aufnahmen der letzten fünf Jahre. Viel Spaß:  

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One comment

  1. gerade weil viele dinge die in einem haus dieser art regelt sein sollten jetzt auf den plenas zerlabert werden ist es wichtig positiv und konstruktiv zu intervenieren (auf den plenas)!
    JA verdammt noch mal! die müssen uns dann vom tresen zerren, vorträge stürmen und tanzend vorfinden…



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