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Dear Zaungästin

Mai 7, 2012

Zaungästin

Ich finde diesen Blog gut. Vielen mag die exhibitionistisch anmutende Art und Weise das eigene Scheitern, den Zweifel und das Gefühl der Unzulänglichkeit vor sich herzutragen unangenehm penetrant vorkommen, ich finde es charmant. Noch mehr: Ich finde es richtig und angebracht. Schließlich haben diejenigen die Welt in den Dreck gefahren, die unentwegt und allen Fakten zuwider so tun als ob sie ihr eigenes Leben und alle Umstände die sie betreffen im Griff hätten.

Man sollte viel öfter das eigene Scheitern und die Zwangsverhältnisse schildern, in denen man unrettbar feststeckt und versuchen die Verletzungen darzulegen die einem täglich angetan werden: „Ja ich komme mit diesem und jenem und der Welt im Allgemeinen nicht zurecht… Ja ich scheitere an den Anforderungen… Ja ich bin kurz davor durchzudrehen… Ja mir werden die Genüsse dieser Welt zum großen Teil vorenthalten, weil ich das Geld nicht habe, weil ich nicht attraktiv genug erscheine, weil ich nicht mitziehen kann bei der EverybodysDarlingSchleimerei die täglich von mir verlangt wird und Ja, ich leide darunter!“.

Nicht nur um Andere zu ermutigen.

Dieses Eingeständnis ist einer der vielen Schritte die eine zukünftige Revolutionärin (und das schreibe ich bewusst in der weiblichen Variante. Die herrschende „Emanzipation“ hat offensichtlich noch nicht so viele akzeptierte Rollenmuster geschaffen, die Frauen leichter dazu bringen könnten über das falsche Ganze – das anhand des repressiven Blickes der Anderen auf einen selbst ständig spürbar wird – selbstbetrügerisch hinwegzusehen wie z.B. fette und dumme Männer das tun, wenn sie einfach ein T-Shirt anziehen mit dem Aufdruck „Dieser Körper wurde von Bier geformt“) gehen kann, um sich die Unzufriedenheit zu bewahren die sie befähigen könnte, auch über die „Karriere“ hinaus (Hai-)Fisch im trüben Wasser gesamtgesellschaftlicher Angeberei und allgemeiner Omnipotenzphantasien bleiben zu können.

Wo sollte der inwendige Hass schließlich herkommen, der ein von allen Seiten beschossenes Individuum immunisiert und über alle Bestechungen hinweg dazu imstande sein lässt, an einer radikalen Überwindung des Bestehenden festzuhalten, wenn nicht aus dem anahltenden Ingrimm über die eigenen aufgezwungenen Entsagungen? Ich-Stärke allein ist es nicht, soviel steht fest.

Sie kann gut malen diese „Zaungästin“, sie ist kreativ. Fett und hässlich oder nicht: Für gewitzte Könnerinnen wie sie wird es einen Platz in dieser Gesellschaft geben, an dem sie allgemein anerkanntes tun kann um sich Geld „Liebe“ und Freunde zu verdienen. Manche ihrer Zeichnungen könnte sie jetzt schon in der „Brigitte“ unter dem Motto „Frauenschicksale“ veröffentlichen. Vielleicht ist es nur dem puren Glück zu verdanken das sie diesen Umstand noch nicht bemerkt hat.

Ich bin gespannt ob ihre jetzige Unzufriedenheit über den Zeitpunkt hinausreicht an dem sie „ihren Platz“ gefunden hat. Bis dahin bin ich prinzipiell solidarisch und möchte ihr nur an einem Punkt vehement widersprechen: Du schreibst und malst nicht über das Leben „von außen“, du schreibst und malst über das was andere für „das Leben“ halten und über deine unangenehmen Empfindungen dazu. Du bist damit dem Gewünschten viel näher als du dir bisher eingestehen kannst.

Ich empfehle nochmal diesen Blog:  Zaungästin

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One comment

  1. ich hab mich nie wirklich für den artikel bedankt oder ?
    also: danke vielmals!



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