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MF-Podcast: Zu Rassismus und Negrophobie

Februar 27, 2017

Rassismus und Negrophobie sind das Thema des zweiten Podcasts und wir haben uns diesmal Felix Perrefort aus Berlin eingeladen, der einen sehr lesenswerten Artikel über Frantz Fanon, das neurotische Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen und die Verkommenheit der critical whiteness geschrieben hat.
Eigentlich wollten wir über seinen Artikel sprechen, sind dann aber im Vorgespräch darauf gekommen, das Thema weiter zu fassen. Herausgekommen ist ein gut hörbarer podcast mit dem wir (dafür dass es erst unser zweiter ist) zufrieden sind, der aber trotzdem ein paar Mängel aufweist, die wir in Zukunft geloben abzustellen. Wenn wir uns das nächste mal jemanden „von außen“ einladen, werden wir darauf achten ihn nicht „niederzureden“, wie es in diesem Podcast an wenigen Stellen, mindestens ansatzweise geschehen ist. Desweiteren werden wir versuchen, die Redezeiten in Zukunft ausgewogener zu gestalten und Bier gibt es nur noch in kleinen Gläsern.

Noch zwei ergänzende und verbessernde Anmerkungen zu diesem Podcast:

  1. Das Buch von Peter Schmitt-Egner das erwähnt wird, heißt „Kolonialismus und Faschismus: Eine Studie zur historischen und begrifflichen Genesis faschistischer Bewusstseinsformen am deutschen Beispiel“ und ist in jeder großen Onlinehandlung, die Gebrauchtes und Antiquarisches führt zu haben.
  2. Die Interviews mit Pegida Anhängern, die ich als beredtes Beispiel für althergebrachten Rassismus und ungenierte Negrophobie in der deutschen Mehrheitsgesellschaft erwähnte, war nicht das Panorama-Interview, vom Dezember 2014, sondern das Interview mit dem Bautzner Bürgermeister, aus dem September 2016. Ich habe schlicht die Videos verwechselt. Was die interviewten Pegida-Anhänger 2014 in das Mikrofon der ARD brabbelten, war kein ungenierter Ausdruck von Negrophobie, sondern eine Aneinanderreihung sozialchauvinistischer Phrasen. Da sich der Rassismus häufig hinter diesen Phrasen versteckt – so wie der Antisemitismus hinter dem sog. „Antizionismus“ -, hatten beide Videos dennoch viel miteinander zu tun. Ungeniert negrophob und offen rassistisch dagegen bramabarsierte man 2016 in Bautzen in die Kamera der Bild-Zeitung.
  3. Und nochmal der Link zum Artikel von Felix.

Hier geht es zum Podcast…

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MF-Podcast#1: Über die „postfaktische Gesellschaft“

Dezember 24, 2016

Ein podcast kann ein gutes Medium sein, um sich aktuell zu äußern, ohne arbeitsintensiv lange Texte verfassen zu müssen. Kein verzweifelter Kampf mit Schlangensätzen, keine Bleiwüste aus Buchstaben, kein anstrengender Vortrag, während dem man – auf harten Stühlen sitzend und schwitzend – mit der Aufmerksamkeit zu kämpfen hat. Ein eher lockeres Gespräch zwischen 2-4 Genossinnen und Genossen, die möglichst gut informiert, ein wenig vorbereitet und auch kontrovers zu einem Thema diskutieren.

Da wir keine professionellen Sprecherinnen oder Bühnenperformer sind und bewusst den präformierenden Rahmen eines Vortrags, gemäß dem Medium vermeiden wollen, ist ungenaues Formulieren, das häufige Verwenden von Füllwörtern und streckenweise sogar eher uninteressantes Geschwafel vorprogrammiert. Der erste podcast ist ein gutes Beispiel dafür. Zwei Stellen die wir allzu unerträglich fanden und die uns peinlich waren, wurden herausgeschnitten und mit einem Piepton kenntlich gemacht. Unser Thema war die „postfaktische Gesellschaft“.

Am Anfang der Aufnahme hatten wir Schwierigkeiten in das Thema hineinzukommen und weiter hinten wird das Gespräch flüssiger. Wir geloben Besserung und der nächste podcast kommt sehr bald und wenn alles klappt, sind wir dann zu dritt.

Übrigens: Wir freuen uns immer über neue Gesprächspartnerinnen und Partner und über Themenvorschläge. Die einzige Vorgabe an das Thema ist, dass es möglichst aktuell sein sollte und Relevanz besitzen sollte für die allgemeine Öffentlichkeit, die möglichst baldige Organisation der Klasse des Bewusstseins, die effektive Aufstandsorganisation und den Communismus.

MF-Podcast#1: Über die „postfaktische Gesellschaft“

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Haben die Verschwörungstheoretiker Recht?: Manuskript des Vortrags

November 16, 2015

Dies ist der verschriftlichte Teil des Vortrag über Verschwörungstheorien, den ich am 13.10.2015 im KOZ gehalten habe, sowie der dazugehörige Reader. Die mündlichen Passagen fehlen, ich habe diese Lücken durch Stichworte in Klammern kenntlich gemacht. Eine Aufnahme existiert ebenfalls. Ich werde sie auf diesem blog veröffentlichen, sobald sie mir zugänglich ist. Sollte ich den Vortrag in einer anderen Stadt erneut halten, lohnt es sich trotzdem zu kommen, auch wenn man diesen Text gelesen und verstanden hat. Ich betrachte den Vortrag als work in progress, einige Passagen werde ich noch gehörig ergänzen und ich werde mir Mühe geben, die Beispiele mit denen ich arbeite möglichst aktuell zu halten. Der Vortrag wird also beim nächsten mal nicht der selbe sein. Den Rest des Beitrags lesen »

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Haben die Verschwörungstheoretiker Recht?

Oktober 7, 2015

Flyervorderseite

Flyerrückseite

Schon in der Grundschule lernt man sich mit Anderen zu verschwören. Man verschwört sich gegen die Lehrer, gegen die Eltern, gegen den Schulhofrabauken und den Hausmeister. Ähnliches später an der Universität. Wer sich schon einmal hochschulpolitisch engagiert hat, wird leicht erahnen: Schon auf der untersten Ebene ist Politik ein einziges Hinterzimmergeschäft. Diese zum Aufstieg notwendige Verschwörungstätigkeit steigert sich, sobald mit dem Erlernten das materielle Auskommen bestritten werden muss. Kein Pöstchen und keine Hiwi-Stelle wird vergeben, ohne wohlwollend-augenzwinkernde Kumpanei aus den Seilschaften des universitären Betriebs, an denen jede und jeder arbeiten muss, wenn sie oder er es zu etwas bringen möchte.
Der permanent ansteigende alltägliche Konkurrenzdruck hat den „geraden Weg“, den fairen Wettstreit „mit offenem Visier“ und in den allermeisten Fällen auch die Gesetzestreue zu einer reinen Fiktion verkommen lassen. Spitzensport ohne Doping ist undenkbar – eine Verschwörung der Ärzte und Sportler. NSU-Terror und NPD-Verbotspleite – eine Verschwörung innerhalb der staatseigenen Spitzelorganisation und des Repressionsapparats. Die Realisierung eines großen Bauprojekts ohne Schwarzarbeit, also ohne eine vorangegangene Verschwörung zwischen Bauherr und Subunternehmer gegen den Fiskus? – Wer so etwas glaubt, ist nicht ganz bei Trost.
Verschwörungen allerorten. Verschwörungen im Kinderzimmer, Verschwörungen im Hörsaal, Verschwörungen am Arbeitsplatz. Diese Welt ist von der Pieke an eine Welt der Verschwörungen.

Haben die Verschwörungstheoretikerinnen und Verschwörungstheoretiker also doch recht mit ihrer Vermutung, hinter jeder Widrigkeit würde eine geheime Absprache, eine Intrige, ein klandestines Netzwerk stecken? Warum sollten „die da Oben“ es anders handhaben als die Mehrheitsbevölkerung im Alltag? Was spricht gegen die weit verbreitete Verschwörungstheorie, die Amerikaner hätten Nineeleven selber inszeniert, um in Afghanistan einmarschieren zu können? Was kann man von den Aluhüten lernen, die sich seit eineinhalb Jahren u.A. mittels sog. „Montagsmahnwachen“ einen Namen gemacht haben?

Hierzu und zu Verwandtem liefert M. Schnittler einige Thesen. Danach kann diskutiert werden.

Wann: 13.10.2015 um 18 Uhr

Wo: KOZ/Unicampus Bockenheim FFM

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Ein feuchter Traum

Juni 30, 2015

Ich wohne in einem fünfstöckigen Haus. Früher müssen hier einmal wohlhabende Menschen gewohnt haben. Jetzt bewohne ich das Gebäude alleine. Über Wendeltreppen und Geheimtüren sind die Räume und Stockwerke miteinander verbunden. Es gibt ein royal eingerichtetes Ankleidezimmer, angefüllt mit Puderdosen und Ähnlichem. Ein großes Gesellschaftszimmer mit einem Kamin und eine Etage, die vor intarsienverzierten Möbeln überquillt. Wegen der vielen dunklen Winkel und Kammern, Erkern, Durchgangszimmern und langen Fluren, ist dieser Ort selbst für mich einer, an dem es jederzeit etwas Neues zu entdecken gibt. Das Haus befindet sich in einem Zustand des fortgeschrittenen Verfalls und deswegen spielt sich mein Leben ausschließlich in der obersten Etage ab. Dort befindet sich die Küche, dort schlafe ich, blicke durch die schmutzigen Fenster hinunter auf die Marburger Altstadt und führe meinen Haushalt. Den Rest des Beitrags lesen »

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Oskar Gröning hat Schuld auf sich geladen

April 22, 2015

In Lüneburg wird aktuell der Fall des 93 jährigen, ehemaligen SS-Mannes Oskar Gröning behandelt. Im wird vorgeworfen als „Buchhalter von Auschwitz“ an der industriell organisierten Beraubung, Ausbeutung und anschließenden Ermordung von 300.000 Menschen – vorallem Jüdinnen und Juden – beteiligt gewesen zu sein. Als „Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen“ bezeichnet man das was er getan hat in der Sprache der Juristen. Am ersten Prozesstag gab er laut Tagespiegel vom 21.04.2015 eine „moralische Mitschuld“ zu. „Die moralische Mitschuld bekenne ich auch hier, mit Reue und Demut vor den Opfern“, sagte er in Anwesenheit einiger angereister Überlebender. Den Rest des Beitrags lesen »

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Ivana Hoffmann ist tot

März 15, 2015

Es ist eine ganz besondere Perfidie der herrschenden Verhältnisse, dass junge Menschen für die ein Engagement zur Befreiung vom kapitalistischen Joch mehr bedeutet als schlechte Technopartys, Jutebeutel mit aufgedrucktem Davidstern und larmoyantes Geschwätz, am Ende auch bei einer stalinistischen Gruseltruppe wie der MLKP mitmarschieren, weil es ansonsten nicht viele Alternativen gibt. Es ist aus der Ferne kaum zu beurteilen ob Ivana Hoffmann aus purer Überzeugung, aus Verzweiflung oder einer Mischung aus beidem eine Alternative wählte, die an vielen, vorallem inhaltlichen Punkten keine gute war. Den Rest des Beitrags lesen »